|
Bericht aus der Donauwörther Zeitung vom 10.03.2004 |
"Gott möchte dein Freund sein"
Wie Clemens Bittlinger das Publikum begeistert
Von unserer Mitarbeiterin
Heike Ritzka
Donauwörth
Zum zweiten Konzert des 8. Donauwörther Notenkessel hatte Organisator
Hans-Georg Stapff den "Rockpfarrer" und Liedermacher Clemens Bittlinger
in die Christuskirche eingeladen. Er betonte, dass es Ziel dieser
Veranstaltungsreihe sei, "dass sich die Menschen näher kommen".
Und wirklich: in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche mussten die Besucher sehr eng zusammenrücken, um überhaupt Platz zu finden. Und beim gemeinsamen Zuhören, Mitsingen und herzhaften Lachen kamen sie sich dann auch wirklich näher.
Was Bittlinger und "seine Freunde" (einen Namen hat die Gruppe nicht) dem Publikum boten, war vom Feinsten: tiefsinnige Texte - zum Teil sehr persönlich, manchmal auch provokativ und unbequem, rockige Klänge neben stimmungsvollen Passagen, eine sympathische Moderation mit viel Witz und Charme. Auch wenn sich die "Freunde" sehr im Hintergrund hielten, David Plüss (Keyboards und Gesang) und Helmut Kandert (Percussions) waren nicht nur reine Begleiter, sondern ihre virtuose und kreative Musik setzte Akzente und verlieh dem Konzert eine ganz besondere Note.
Kampf mit dem Duschvorhang
Während die Lieder des ersten Teils im wahrsten Sinne des Wortes von Gott und der Welt handelten, stand im zweiten Teil die Verkündigung der christlichen Botschaft im Mittelpunkt. Warum das Konzertprogramm "Liedergalerie" hieß, wurde schnell deutlich: Es war eine bunt zusammengewürfelte Mischung aus alten und neuen Songs, ein überlegter Ablauf war nicht erkennbar. Auch blieb dem Zuhörer manchmal verborgen, was Moderation und folgendes Lied verbinden könnte: So blieb beispielsweise völlig offen, was nun Bittlingers Anekdote vom Kampf mit dem Duschvorhang mit dem folgenden Engelslied zu tun haben könnte - doch solche Dinge störten einfach nicht.
Spätestens ab dem zweiten Stück hatte der Liedermacher aus dem Odenwald die ganze Aufmerksamkeit seines Publikums auf sich gebündelt, und das blieb auch den ganzen Abend so. Er fesselte und erheiterte seine Zuhörer und brachte sie zum Nachdenken. Und wer eine ganze Kirche voll von erwachsenen Leuten beim etwas albernen "Rutschenlied" zum Singen von "rutsch, rutsch, rutsch" oder (noch besser!) beim "Schweinelied" zum Singen von "grunz, grunz, grunz" bewegen kann, ohne dass dabei irgendjemand auch nur einen Anflug von Peinlichkeit fühlt, muss einfach "das gewisse Etwas" haben. Genau das hat Bittlinger. Er ist echt, ehrlich und authentisch.
Die Anekdoten aus seinem Konzertleben amüsieren ebenso wie die Erlebnisse mit seinen Kindern. Nachdenklich machten die frechen, provokativen Texte (zum Beispiel "Aus Versehen" - ein Lied über "all die Sauereien, für die kein Schwein die Verantwortung übernehmen will" wie Kunstfehler, politische Skandale, Unfälle durch Autobahnraser usw.). Auch seine besondere Art der Verkündigung wirkte kein bisschen aufgesetzt. Das Publikum spürte, dass sie von Herzen kommt - daher erreichte sie auch die Herzen der Menschen. Egal ob Bittlinger einen Text über die Feindesliebe vorlas oder den Choral "O komm, du Geist der Wahrheit" (mit aktualisiertem Text in einer poppigen "Dudu"-Version) darbot, er vermittelte den Zuhörern damit die "wichtigste Botschaft der Bibel: Gott möchte dein Freund sein!"Ob der nicht enden wollende Applaus am Ende des Konzerts mehr der Musik oder dem Zuspruch galt, bleibt offen. Sicher ist, dass Bittlingers Konzept aufging: Durch seine Musik hatte er eine so vertrauensvolle Atmosphäre geschaffen, dass sich die Menschen für seine Art von christlicher Mission öffneten. Sicher ist auch: Jedes seiner Konzerte ist ein bisschen Gottesdienst.
Impressum