|
Bericht aus der Donauwörther Zeitung vom 06.03.2002 |

Die Gruppe "Saitenwind" bot beim Notenkessel ein beeindruckendes Konzert. - Bild:Sahliger
Gut gelaunt und grundehrlich
Das Duo "Saitenwind" bietet beim 6. Donauwörther Notenkessel Pop und Poesie
Von unserer Mitarbeiterin
Heike Ritzka
Donauwörth
Mit einem bunten Mix aus Balladen und fetzigen Popsongs begeisterte
das Duo Saitenwind (Heiko Bräuning und Reinhard Börner) mit
dem in Donauwörth bereits bekannten Profipianisten Michael
Gundlach im Rahmen des von Dekanatskantor Hans-Georg Stapff
organisierten 6. Notenkessels
Mit Matthias Mäder gestalteten Bräuning und Gundlach den Musikgottesdienst in der Christuskirche - wobei das Samstagsabendkonzert einiges von einem Gottesdienst und der Sonntagsgottesdienst viel von einem Konzert hatte.
Bräuning und Börner hatten das Publikum schon beim ersten Lied ("Wieder unterwegs - auf neuen Wegen dem Horizont entgegen") gewonnen: distanzlos, nicht abgehoben und ohne Streben nach absoluter Perfektion übertrug sich ihr Spaß am Musik machen auf das begeisterungsfähige Notenkessel-Publikum. So gab es kaum einen, der nicht mitsang oder mitklatschte. Und wenn die "Zuhörer" einen Refrain immer wieder wiederholten, dann setzten der Pfarrer, der Suchtterapeut und der Profipianist eben auch noch einmal ein. Wenn sollte es da stören, wenn einmal eine Strophe vergessen oder ein Einsatz verpasst wurde? Ganz im Gegenteil!
Die Spontanität und die kleinen Schwächen unterstrichen nur, dass hier kein trockenes Konzertprogramm, sondern echte Gefühle und grundehrliche Bekenntnisse dargeboten wurden.
Christliche Botschaften
Warum die vom Bayerischen Rundfunk als "Songpoeten 2000" ausgezeichneten Musiker mit ihren Gitarren und dem Klavier ausgerechnet christliche Popmusik machen, erklärte Bräuning so: "Wir glauben, dass da einer ist, der sich um uns kümmert!" Und dieser "eine" steht im Zentrum aller Lieder. Sie handeln "von Gott und davon, wie er mit uns und an uns handelt". So heißt es in einem Refrain: "Gegen den Trend, gegen den Strom, gegen die Halblebigkeit - ich halte mich an Gottes Sohn mit ewiger Haltbarkeit!"
Sie selbst geschriebenen Songs, eine hervorragend gelungene Mischung aus Folk, Pop und Chanson, enthalten Elemente aus Balladen, Boogie, Jazz, Reaggae und Blues. Dazwischengestreute Instrumentals bewiesen die Virtuosität der drei Musiker. Wenn Reinhard Bärner ein Stück von J.S. Bach oder einen alten Choral "auf die sechs Saiten seiner Gitarre zwängt" und verblüffend modern interpretiert, kann man sich einfach zurücklehnen und genießen.
Beim Ausnahmepianisten Gundlach, der so sympathisch lächelnd den Blickkontakt zum Publikum sucht und schwierigste Passagen in einem schwindelerregenden Tempo souverän spielt, sind Zuhören und Beobachten gleichermaßen ein Vergnügen. So verwundert es nicht, dass die Künstler dem Notenkessel-Publikum erst nach mehreren Zugaben entkamen.
Beim Musikgottesdienst am Sonntag stand eine Liedpredigt über Jeremia im Mittelpunkt. Pfarrer Bräuning legte die Texte des Propheten nicht nur mit Worten aus; Lieder unterstützten seine Gedanken, wie Gott vor 3000 Jahren und noch heute die Welt bewegt. Mit launigen Ansagen moderierte er den Gottesdienst, der wie ein nettes Zusammensein unter guten Freunden wirkte.
Bei den vielen Liedern, deren Texte per Videobeamer an die Wand projiziert wurden, mitzusingen, fiel den meisten Besuchern schwer - doch auch das Zuhören war ein Genuss. Immerhin klappte das Singen und Klatschen bei dem "nur für die Kids" gedachten "Sind and pray". Für die 16-jährige Drogen- und Techno-Abhängige, den New Yorker Feuerwehrmann, das neue "Party-Volk" und den einsamen alten Mann hatte Bräuning die gleiche Botschaft: "Die Menschen haben das Bedürfnis, Gott als Heiland zu erfahren, weil sie mutlos, kraftlos und voll Zukunftsangst sind. - Was Gott gibt, gibt sonst keiner. Er ist der Fels in unserem Leben!
Impressum