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Bericht aus der Donauwörther Zeitung vom 13.03.2002 |
Notfall wird zum Glücksfall
Notenkessel: Musical abgesagt - Gospelsängerin Karen Carroll springt ein

Gospelkonzert im Rahmen des Notenkessels in der Christuskirche. Karen Carroll bot
eine begeisternde Vorstellung. Am Klavier wurde sie von Christian Jung begleitet.
Bild: Voigt
von unserer Mitarbeiterin
Heike Ritzka
Donauwörth
Wäre man abergläubisch, könnte man vermuten, dass der 6. Donauwörther
Notenkessel unter einem unglücklichen Stern steht. Aber weil es sich ja schließlich
um eine kirchliche Veranstaltung handelt, ist es wohl einfach Pech: Nachdem bereits Pichl
& Stapff ihr Konzert wegen Krankheit verschieben mussten, konnten auch die Gospel-Singers
ihr Musical "Hope" nicht aufführen, weil zwei Hauptdarsteller erkrankt waren.
Wie schön für ein Publikum, wennes einen Veranstalter wie Dekanatskantor Hans-Georg Stapff hat, der das Unmögliche schafft, innerhalb von wenigen Stunden eine Ersatzprogramm zu organisieren. - Und wie schön für einen Veranstalter, wenn er ein Publikum wie das Notenkessel-Publikum hat, das seine Wahl respektiert und die Ersatzkünstler mit einem tosenden Applaus empfängt.
Die Zuhörer hatten ein Musical erwartet und bekamen "nur" ein traditionelles Gospelkonzert mit der Sängerin Karen Carrol und dem Klavierspieler Christian Jung geboten - und doch war vom ersten bis zum letzten Lied die Begeisterung des Publikums in der Christuskirche hör- und spürbar. Carroll entspricht dem typischen Bild, das man von einer schwarzen Gospelsängerin hat: großes Körper- und Stimmvolumen, nicht enden wollender Atem, sehr positive Ausstrahlung, viel Gestik und Mimik noch ohne eine gewisse Theatralik. Ihre ausladenden Bewegungen bei der Moderation und das ständige Schweiß abwischen geben ihr eine ganz eigene Note.
Schon bei der Begrüßung machte die Sängerin ihren Zuhörern klar, dass sie nicht gekommen seien, um Karen Carroll zuzuhören, sondern um Gott zu preisen. Daran schloss sich die Aufforderung zum Mitsingen: "So, if you know it - singt mit!"
Auf dem Programm stand deshalb vor allem das bekannte Gospelrepertoire von "Down by the riverside" über "Amazing Grace" bis zu "Kumbaya, my Lord" und "Swing low". was keineswegs langweilig war. Denn die extrem tiefe Stimme und die ganz persönliche Interpretation der bekannten Lieder durch Karen Carrol, sowie ihre ständige Interaktion mit dem Publikum brachten den Notenkessel zum Brodeln.
Christian Jung am Klavier
Vor allem eine sehr starke Gruppe im hinteren Teil der Kirche bewies schon fast Gospelchor-Qualität. Doch die inbrünstig singende, manchmal fast andächtig wirkende und im nächsten Augenblick gleich wieder laut röhrende Sängerin riss ganz einfach jeden mit.
Ein ganz dickes Lob gebührt auch dem Klavierspieler Christian Jung, der sich genau mit der richtigen Mischung von dezenter Begleitung und eigener Interpretation der Lieder hervorragend auf die Sängerin einstellte und auch auf kleinste Impulse reagierte. Sagenhaft war seine jazzige Begleitung von "Just a closer walk"! Nicht ganz so gut, aber für die Zuhörer sehr lustig waren seine Übersetzungsversuche der meist englischen Moderation.
Bei der Zugabe kam dann endlich auch die Gitarre ("my baby") zur Geltung, die bis dahin eher wie ein unnötiges Accessoire gewirkt hatte, weil sie zwar der Intonation diente, ihr Klang aber von Gesang und Klavier völlig übertänt wurde
Bleibt zu hoffen, dass das für Freitag, 15. März, um 19 Uhr geplante Konzert von Pichl & Stapff dann auch wirklich stattfinden kann und der 6. Notenkessel einen guten Abschluss findet.
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