Donauwörther Notenkessel

Gospel und Pop

Archiv - 4. Notenkessel 2000 - Pressebericht

Bericht aus der Donauwörther Zeitung vom 03.02.2000


Bezirkskantor Hans-Georg Stapff
Hans-Georg Stapff ist seit zwölf Jahren Kantor des Dekanatsbezirks Donauwörth. Er engagiert sich dafür, dass die Kirchenmusik moderne Strömungen integriert. Bild: Sisulak

"Pop ist in der Kirche etabliert"

Gespräch mit dem Kantor des evangelischen Dekanatsbezirks Hans-Georg Stapff

Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Geiss
Donauwörth.

Bach in der Kirche, Pop in der Disco. Das war früher. Dann kamen die 68er und skandierten: "Unter den Talaren Muff von tausend Jahren". Und heute, im Jahr 2000, gilt selbst Michael Jackson als kirchenverträglich. Bands spielen live vor dem Altar, unterm Kreuz. Pop in Gotteshäusern boomt.

Hans-Georg Stapff, seit 1988 Kantor des evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirks Donauwörth (er erstreckt sich vom Kesseltal und Rain über Harburg bis nach Alerheim) stand dazu gestern als Gast unserer Redaktion Rede und Antwort.

Für den 37-Jährigen, der an der Bayreuther Fachakademie studiert hat, ist Musik Beruf und Berufung. Als Chorleiter der Donauwörther Kirchengemeinde, als Mitglied der Band "taste'n'go" und der Gruppe "Pichl & Stapff", als Organist und Konzert-Organisator engagiert er sich dafür, dass moderne Klänge und Texte in die Kirchen Einzug halten. Die jährliche Veranstaltungsreihe "Notenkessel" (heuer vom 10. März bis 1. April) entwickelte sich unter seiner Regie zum Hit. Das Publikum kommt in Scharen, bis aus Dillingen, Nördlingen, Meitingen, Neuburg und Augsburg.

Was macht Kirchen-Pop so populär? "Schon Luther sagte, man solle dem Volk aufs Maul schaun", antwortet Stapff. "Lieder von Clemens Bittlinger oder Cae Gaunt tun nichts anderes." Alte Choräle sprächen eine alte Sprache und müssten in ihrer Thematik erst aufgeschlüsselt werden. "Songs von heute wirken dagegen direkt." Je klarer die Ausdrucksweise, desto leichter der Zugang zur Botschaft.

Ist Pop in erster Linie ein Lockmittel für junge Leute? "Keineswegs", meint der Kantor. Zwar sei diese Art von Kirchenmusik vor 30 Jahren aus Jugendgottesdiensten heraus entstanden (wobei die Kirchentage und die evangelischen Basisbewegungen den Nährboden lieferten), doch habe sich die Generationsfixierung inzwischen selbst aufgehoben. "Es kommen immer mehr ältere, das Gros ist bereits zwischen 30 und 40 und es geht auch über 65. Viele Lieder stehen bereits im offiziellen evangelischen Gesangbuch. Pop hat sich in die Kirchenmusik integriert und in der Kirche etabliert."

Verschiedene Möglichkeiten

Gibt es da keine Widerstände? "Damit keine Missverständnisse aufkommen: Popmusik ist eine von mehreren Möglichkeiten. Ob Klassisches oder zeitgenössisch Modernes. Für jeden Kirchenmusikbereich gibt es Leute, die es mögen und Leute, die es ablehnen. Nur ist das nicht mehr vom Alter abhängig. Es gibt junge, die lieber Klassik hören und ältere, die Pop mögen", so Hans-Georg Stapff. Hat Pop auch neuen Formen des Gottesdienstes den Weg gebahnt? "Liedermacher Clemens Bittlinger, der ja auch Pfarrer ist, hat hierzu einiges entwickelt. Zum Beispiel den `Bistro-Gottesdienst mit Sechser-Tischen statt Bankreihen und Interview und Statements statt Predigt." Auch der "Mensch-sing-mit-Gottesdienst" sei Bittlingers Idee gewesen. "In unserer Parkstadt-Kirche findet er einmal im Monat statt, mit Klavier- statt Orgelbegleitung", berichtet der Kantor.

Gruppen im Landkreis

Dass sich für moderne Musik im gesamten Landkreis verschiedene (auch katholische und private) Gruppierungen stark machen, unterstreicht Hans-Georg Stapff mit Verweis auf den Crescendo-Chor in der Donauwörther Parkstadt, die Formation "Da Capo" in Rain, das Nördlinger "Gospel-Projekt", die Band "Horizonte" in Wemding, den De Lumina-Chor in Monheim und das Ensemble "Briganori" in Genderkingen.

Nachdem er sich erst vor kurzem bei der internationalen Messe "Promikon" in Gießen über die christliche Musikszene orientierte (70 Gruppen stellten sich dort vor, von Kabarett und Rock bis zu Hiphop und Techno), hat der Kantor auch noch einige Tipps für aufstrebende Bands parat. "Ansprechpartner sind zum einen der Verband für Kirchenmusiker in Bayern, zum anderen die Arbeitsgemeinschaft Musik in Bayern (die AGMB untersteht dem Amt für Jugendarbeit der evangelischen Kirche) mit dem Referent für Jugend-Evangelisation und Bandarbeit, Friedrich Rößner.

Beide Organisationen haben ihren Sitz in Nürnberg und können mit Informationen weiterhelfen." Bei einer Fortbildungswoche im Pappenheimer Tagungshaus wird Hans-Georg Stapff am kommenden Sonntag mit der Donauwörther Kirchenband "taste'n'go" auftreten. Und dann steht auch bald der "Notenkessel" an, mit einem Stargast zum Abschluss am 1. April: Clemens Bittlinger







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